Der Kreuzweg ist normalerweise die Darstellung des Leidensweges Jesu von seiner Verurteilung durch Pilatus bis zu seiner Grablegung mit 14 Stationen. Sie sind als bildliche Darstellung durch den Franziskanerorden im 15. Jahrhundert und später entstanden, weil der Gründer der Franziskaner, der Hl. Franz von Assisi besonders von der Leben-Jesu-Frömmigkeit geprägt war. Dazu gehörte für ihn auch ganz stark das Meditieren des Leidenden Christus. Er sah dieses Leiden als Identifikation mit dem Leiden der ganzen Schöpfung. Der Kreuzweg lädt den Betrachter und Beter ein, sich mit Jesus Christus auf seinem Leidensweg zu verbinden, sei es mit eigenem Leid oder dem Leid der Schöpfung, das sich mit dem Leiden Christi verbindet. So darf bei jeder Station Aktuelles mit einfließen, für ungerecht Verurteilte beten, für die, die unter einem Kreuz leiden, für die, die von anderen festgenagelt ja unschuldig umgebracht werden… Die Botschaft ist, dass Jesus Christus und damit Gott niemanden im Stich läßt und dem leidenden Menschen und Geschöpf Stärkung und Zuversicht geben will, wenn er zu Gott betet. Hat der Kreuzweg, wie bei Josef Henger, 15 Stationen, dann geht die Botschaft noch tiefer. Nicht Kreuz und Tod haben das letzte Wort, sondern Gott, der bei denen, die ihm vertrauen wie Jesus, läßt aus Kreuz und Tod neues Leben wachsen, wie wir Christen es an Ostern feiern. Die Kreuzwegdarstellungen Josef Hengers stellen aufgrund ihrer plastischen Darstellung den Kreuzweg so dar, dass das Leid beim Betrachten spürbar wird, aber durch die Auferstehungsdarstellung am Ende einen hoffnungsvollen Ausblick gibt. Wer sich in besonderer Weise mit Jesus beim Betrachten dieses Kreuzwegs verbinden will, der schließe einfach die Augen und berühre mit den Händen die Stationen des Kreuzwegs von Josef Henger und denke dabei an Menschen auf dem Leidensweg, am Kreuz oder im Grab. Die letzte Station ist der Auferstandene, der uns zuruft: Vertrau auf Gott, dann gehst du nicht zugrunde.
Standort: Friedhof Empfingen
